Chianti - spannende Neuentdeckung!

  • Heute stellte der schwedische Deckhengst Chianti von Scarlet Knight (1:10,1/353.710€)) 2 3jährige aus seinem 1.kleinen Jahrgang vor.

    Um 16:45 gewann Freya S in Slovenien souverän Start - Ziel ihr Rennen gegen ältere Pferde. Ihre Bilanz bisher 6Starts 3Siege 1 2ter + 3ter Pletz.



    Knapp eine halbe Stunde später gewann der Debütant All Chianti souverän in 1:17,1!



    2 Leistungen, die aufhorchen lassen!

    Übrigens auch die 2jährige Miss Chianti hinterliess in der Badener Zweijährigen-Overtüre nach einen Startfehler als 4te einen guten Eindruck.


    Gratulation an die Züchter und Besitzer!

  • Etwas Info zu diesem Scarlet Knight Sohn…aus Schweden 🇸🇪

    C H I A N T I

    ..Züchter: Fam. GOOP.


    Danke.. Forstwald @..!
    für dein Informatives Posting..

  • Insgesamt war kaum mehr damit zu rechnen, dass sich die Linie von Pine Chip fortsetzen wird können, auch über Scarlet Knight nicht (da konnte zb Iceland die Erwartungen nur sehr punktuell erfüllen) und auch nicht in den USA, u.a. mit seinem zweiten Hambletoniansieger, Chip Chip Hooray, der beileibe kein schlechter Deckhengst war, jedoch als beste männliche Nachkommen vor allem Wallache hinterließ. Insgesamt wird Pine Chip aber vor allem als grandioser Muttervater in Erinnerung bleiben.


    Doch dann überraschte Pine Chips Sohn Infinitif vor allem in Schweden mit beachtlichen Nachkommen (Nachkommen international), von denen die erfolgreichsten jedoch meist Stuten oder Wallache waren. Bis auf Lucifer Lane, seinen erfolgreichsten schwedischen Sohn, der als Deckhengst jedoch bislang kaum aufgefallen ist (Nachkommen).


    Aber wieder folgte eine Überraschung, denn ausgerechnet der in Dänemark geborene Ecurie D. machte zuerst eine großartige Karriere als Rennpferd (1:07,9 - rd. 1,5 Mio. USD Gewinne), die ihn schließlich in die USA führte, wo er nun als Deckhengst aufgestellt ist und um 5.000 USD auf Southwind Farms in New Jersey gemeinsam mit Muscle Hill deckt. Und siehe da, gleich sein erster Jahrgang brachte mit dem heuer zweijährigen Wallach Lifetime Dreamer 1:09,1 - 110.000 USD einen aktuellen Stakessieger. Durchaus anzumerken ist auch, dass mit Stand heute von seinen 49 im Jahr 2024 geborenen Fohlen bereits 29 auf der Rennbahn waren; auch für die USA, dem Land der extremen Frühreife, ein beachtlicher Schnittt. Ebenfalls in Schweden lassen sich seine Zweijährigen gut an (hier das attraktive Programm für das Derby-Wochenende in Malmö-Jägersro am 5. und 6. September).


    Somit ist es also durchaus möglich, dass sich die Hengstelinie von Pine Chip, die schon davor oft an einem seidenen Faden hing (er war letztlich der einzige erfolgreiche Nachkomme seines Vaters, des Weltrekordlers Arndon, und auch dessen Vater Arnie Almahurst konnte mit dem legendären Florida Pro letztlich nur einen über eine gewisse Zeitspanne erfolgreichen Deckhengst stellen, dessen Zweig aber heute als ausgestorben bezeichnet werden darf), dank Ecurie D. ihre Fortsetzung findet. Dies könnte schon allein aus dem Grund der Fall sein, da Ecurie D. auf Southwind Farms stets Stuten von erlesenem Blut zugeführt bekommt und nach seinen frühen Erfolgen wohl auch in Zukunft in noch größerer Menge. Dass sich darunter über die Jahre der eine oder andere Hengst befinden wird, der wiederum zum Deckeinsatz kommen wird, kann beinahe als vorausgesetzt gelten.


    Und wer ist der Züchter von Ecurie D.? Beinahe wäre man versucht zu sagen, wie sollte es anders sein: der mittlerweile 86-jährige französische Zucht-Tausendsassa Jean-Pierre Dubois! Dieser und seine Zuchterfolge in aller Herren Traberländer – wieder eine eigene Geschichte...


    Ein dänischer Sohn eines italienisch gezogenen Sohnes (Infinitif) des Amerikaners Pine Chip, der die Linie seines früh aus den USA nach Schweden verkauften Vaters (Pine Chip) wieder in dessen Heimatland zurückbringt – ein weiteres Kuriosum, das die Traberzucht immer wieder schreibt. Und durchaus eine Parallele etwa zum legendären Meadow Road, der als Schwede die in Nordamerika praktisch ausgestorbene Linie seines Großvaters Nevele Pride wieder dorthin brachte und dank seinem Enkel Kadabra – dem einzig legitimen Nachfolger als bester in Kanada aufgestellter Deckhengst des legendären Balanced Image – über viele Jahre erheblichen Erfolg hatte.

    (Fortsetzung folgt, falls Interesse.)

  • Zum Thema passend gebe ich hier eine Übersetzung eines Artikels meines schwedischen Freundes Ulf Lindström aus sulkysport.se vom April 2024 wieder:

    Als Vierjähriger (Weltrekordzeit 1:09,0) kam Pine Chip im Dezember 2000 für die damals stattliche Summe von 36 Millionen SEK (nach heutigem Geldwert 5,6 Millionen Euro) auf die Broline Farm im Südwesten Schwedens. Die Kalkulation hinter dem Erwerb basierte darauf, dass das Deckbuch von Anfang an voll und geschlossen sein würde. Doch am 20. April geriet dieser Plan ins Wanken.
    In einer Gastkolumne der führenden schwedischen Fachzeitschrift wurde seine bisherige Bilanz kritisch hinterfragt: „Eine Analyse der Nachkommen von Pine Chip aus dem besten in Nordamerika verfügbaren Zuchtstutenbestand ist keine erfreuliche Lektüre“ – und um noch eins draufzusetzen: „Diese Bilanz ist nur einer der Gründe für Pine Chips Wechsel aus den USA.“ (Fairerweise muss man sagen, dass der Artikel namentlich gezeichnet war und es sich nicht um anonyme Hetze handelte.)
    Tommy Norén, der Leiter der Broline Farm, erinnert sich noch gut an jenen Aprilmorgen. Ein früher Anruf eines gut informierten schwedischen Deckhengstvermittlers brachte es auf den Punkt: „Das war’s!“ Den Rest des Tages verbrachten die vier Eigentümer mit zahlreichen Telefonaten untereinander.
    Züchter, deren Stuten Anfang Mai noch nicht tragend sind – sei es durch spätes Decken anstatt einer Ruhepause und eines Neustarts des Zyklus oder schlicht durch Zögern der Eigentümer bei der Hengstwahl –, werden ungeduldig und suchen womöglich nach einem alternativen Deckhengst. Für viele (die meisten) Hengstbesitzer, unabhängig von der Höhe der Decktaxe, entscheidet sich in den letzten acht Wochen der Decksaison, ob man am Ende rote oder schwarze Zahlen schreibt. Ebenso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – ist für einen hochkarätigen Hengst die Frage, was das erste Jahr im Deckeinsatz für die zweite und dritte Saison bedeutet.
    Pine Chips erster Fohlenjahrgang in Schweden (2002) umfasste 128 Fohlen: 74 im schwedischen und 41 im italienischen Register. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 wurden 6.387 im schwedischen Stutbuch eingetragene Stuten gedeckt. Aus einer Vielzahl kaum zu entwirrender Gründe blieb diese Zahl hinter Pine Chips Marktpotenzial zurück, wie die Bilanz seiner zweiten Saison – 258 registrierte Nachkommen – nahelegt.
    Was war also in der Zwischenzeit geschehen? Im Frühjahr 2002 war Scarlet Knight keinem Züchter mehr unbekannt. Der in Amerika geborene Sohn von Pine Chip – in Harrisburg für 17.000 Dollar verkauft, ein Preis, der für sich genommen schon das Interesse geweckt hatte – hatte im August zuvor das Hambletonian gewonnen. Auch die großen Gestüte nahmen zur Kenntnis, dass Dream Vacation im Nat Ray Trot den dritten Platz belegt hatte und Civil Action zwei Tage zuvor das prestigeträchtige Peter Haughton Memorial gewonnen hatte. (Norén und Gestütsbesitzer Sune Svedberg waren vor Ort in den Meadowlands.)
    Pine Chips Erfolgsbilanz setzte sich mit einem weiteren Hambletonian-Sieg in Folge fort (durch Chip Chip Hooray). Damit war alles gesagt. Scarlet Knight avancierte – begleitet von „Schwedens Mann auf dem Mond“ – zu einem Aushängeschild, das weit über die Grenzen unseres Sports hinaus für Aufsehen sorgte. In den folgenden Jahren sicherten sich auch Pine Chips Söhne und Töchter Siege bei den wichtigsten schwedischen Rennen. In Italien gewann Daguet Rapide (der zudem aus einer französischen Mutterlinie stammte) das Derby 2003. Pine Chip war als Deckhengst auf einem Höhenflug: In den vier entscheidenden Folgejahren wurden für 774 europaweit registrierte Fohlen (stattliche) Deckgelder gezahlt. Als er 2017 aus der Zucht verabschiedet wurde, hatten seine Besitzer durch ihn einen Nettoertrag von 10 Millionen Dollar erzielt.